CBDV (Cannabidivarin) ist ein nicht berauschendes Cannabinoid aus Hanf und anderen Cannabispflanzen, die „Varin“-Version von CBD mit einer Seitenkette aus drei statt fünf Kohlenstoffatomen. Die meisten Hanfsorten enthalten nur kleine Mengen. CBDV wurde bei Epilepsie und Autismus untersucht, die Forschung am Menschen beschränkt sich aber auf wenige kleine Studien.
Das Wichtigste in Kürze
- Was es ist
- Ein Phytocannabinoid mit der Summenformel C₁₉H₂₆O₂, das Propyl-Homolog (drei Kohlenstoffatome) von CBD
- Erstmals beschrieben
- 1969 von einer deutschen Forschungsgruppe (Vollner, Bieniek und Korte)
- Berauschend?
- Nein. Es bindet nur sehr schwach an den CB1-Rezeptor
- Wo der Gehalt am höchsten ist
- Vor allem bei Drogen-Landsorten aus dem indica-Genpool beschrieben, aus Südasien und Afrika
- Forschung am Menschen (Stand Oktober 2026)
- Nur kleine Studien: eine offene Studie mit fünf Kindern und Einzeldosis-Studien mit Bildgebung des Gehirns bei Erwachsenen
- In Ölen von Formula Swiss (Zertifikate vom April 2026)
- 0,05 % in Zermatt Balance und St. Moritz Restore; in unseren anderen Ölen nicht nachgewiesen
Was ist CBDV?
CBDV gehört zu den „Varin“-Cannabinoiden. Sie haben eine Propyl-Seitenkette aus drei Kohlenstoffatomen, wo die bekannteren Cannabinoide eine Pentylkette aus fünf haben. Ansonsten ist CBDV genauso aufgebaut wie CBD, daher lautet die Summenformel C₁₉H₂₆O₂ statt C₂₁H₃₀O₂ wie bei CBD (PubChem). Deutsche Chemiker beschrieben es 1969 zum ersten Mal (Vollner et al., 1969).
In der Pflanze gehen die Varine von Divarinolsäure statt von Olivetolsäure aus. Verbunden mit Geranylpyrophosphat entsteht Cannabigerovarinsäure (CBGVA), das Varin-Gegenstück zu CBGA (Shaw et al., 2022). Wie CBD wird auch CBDV als Säure gebildet, als Cannabidivarinsäure (CBDVA), die erstmals aus thailändischem Cannabis isoliert wurde (Shoyama et al., 1977). Hitze spaltet die Säuregruppe ab und macht daraus CBDV. Am engsten verwandt ist es mit CBGV und THCV.
CBDV, CBD und THCV: Was ist der Unterschied?
| CBDV | CBD | THCV | |
|---|---|---|---|
| Seitenkette | Propyl (3 Kohlenstoffatome) | Pentyl (5 Kohlenstoffatome) | Propyl (3 Kohlenstoffatome) |
| Summenformel | C₁₉H₂₆O₂ | C₂₁H₃₀O₂ | C₁₉H₂₆O₂ |
| Berauschend? | Nein | Nein | Niedrige Dosen wirkten in kleinen Studien wie ein Placebo; höhere Dosen kaum untersucht (siehe unseren THCV-Ratgeber) |
| CB1- und CB2-Rezeptoren | Sehr schwache Bindung | Schwache Bindung; blockiert in Labortests andere Agonisten | Blockiert CB1 in einigen Tests; partieller Aktivator von CB2 |
| Menge in typischem Hanf | Spuren bis geringe Mengen | Das Haupt-Cannabinoid | Spuren bis geringe Mengen |
| Am Menschen untersucht | Einige kleine Studien | Viele Studien | Einige kleine Studien |
Die Rezeptordaten stammen aus Laborstudien: Die Bindungskonstante von CBDV am menschlichen CB1-Rezeptor lag bei 14.711 nM, der schwächste Wert von sieben getesteten Cannabinoiden, und bei 574 nM an CB2 (Rosenthaler et al., 2014). Das Profil von THCV stammt von Pertwee (2008). Mehr zu CBD selbst lesen Sie unter Was ist CBD?
Macht CBDV high?
Nein. In den klinischen Studien, die es getestet haben, wird CBDV als nicht berauschend beschrieben (Pretzsch et al., 2019). Außerdem bindet es nur sehr schwach an den CB1-Rezeptor, über den THC den Rausch auslöst (Rosenthaler et al., 2014). Welche Cannabinoide berauschen, erfahren Sie unter welche Cannabinoide psychoaktiv sind.
Welche Wirkung hat CBDV und wofür wurde es untersucht?
Wer nach „CBDV Wirkung“ oder „CBDV Vorteile“ sucht, findet meist lange Listen. Die Tabelle zeigt, was tatsächlich untersucht wurde und in welcher Art von Studie. Nichts davon zeigt, dass ein CBDV-Produkt eine Erkrankung verhindert oder behandelt.
| Bereich | Art der Studie | Was berichtet wurde |
|---|---|---|
| Krampfanfälle | Tier: vier Anfallsmodelle bei Mäusen und Ratten | Antikonvulsive Wirkung in drei Modellen, ohne Einfluss auf die Motorik (Hill et al., 2012) |
| Epilepsie beim Rett-Syndrom | Mensch: offene Phase-1-Studie, fünf Mädchen, keine Placebogruppe | Weniger Anfälle bei allen fünf (Median 79 %); Schläfrigkeit und Speichelfluss wurden als mit CBDV zusammenhängend eingestuft (Hurley et al., 2022) |
| Gehirnchemie bei Autismus | Mensch: Einzeldosis von 600 mg gegen Placebo, 34 Männer mit und ohne Autismus | Veränderte Glutamatwerte in einer Hirnregion, nicht in einer anderen; Verhalten wurde nicht gemessen (Pretzsch et al., 2019) |
| Vernetzung im Gehirn bei Autismus | Mensch: Einzeldosis gegen Placebo, 28 Männer | Verschob die Konnektivität des Striatums bei autistischen Männern; ob das Symptome beeinflusst, ist unbekannt (Pretzsch et al., 2021) |
| Talgproduktion der Haut | Labor: menschliche Sebozyten | Geringe Wirkung auf die normale Lipidproduktion; verringerte die Lipidproduktion in einem akneähnlichen Modell (Oláh et al., 2016) |
Eine Übersichtsarbeit von 2021 zu den Tier- und Humandaten bei Epilepsie und Autismus kam zu dem Schluss, dass CBDV Interesse geweckt hat, die Evidenz aber noch in einem frühen Stadium ist (Zamberletti et al., 2021). Die Studien am Menschen testeten CBDV als experimentelles Arzneimittel unter klinischen Bedingungen. Unsere Öle sind Kosmetika zur Anwendung auf der Haut, die Ergebnisse gelten daher nicht für sie.
Ist CBDV sicher?
Dafür gibt es zu wenige Daten am Menschen. In der Studie zum Rett-Syndrom waren 91 % der Nebenwirkungen leicht oder mittelschwer, keine führte zum Abbruch der Behandlung, und kein schwerwiegendes unerwünschtes Ereignis hing mit CBDV zusammen (Hurley et al., 2022). Das waren fünf Kinder über einen begrenzten Zeitraum, und Langzeitdaten zur Sicherheit beim Menschen sind uns nicht bekannt. Unser Ratgeber zu den Nebenwirkungen von CBD behandelt das wesentlich besser erforschte CBD.
Welche Cannabissorten enthalten mehr CBDV?
In einer Untersuchung von 157 Cannabis-Akzessionen waren Pflanzen mit relativ hohen THCV- oder CBDV-Gehalten nur in der Gruppe häufig, die die Autoren als C. indica einordneten (Hillig und Mahlberg, 2004). In derselben Sammlung umfasste dieser Genpool Drogen-Landsorten aus Südasien und Afrika (Hillig, 2005). Züchter können gezielt auf Varine selektieren, doch angebliche „High-CBDV“-Sorten sind selten durch veröffentlichte Labordaten belegt. Wie viel ein Produkt tatsächlich enthält, zeigt nur ein Analysezertifikat. Worauf Sie achten sollten, erklärt unser Ratgeber Analysezertifikat richtig lesen.
CBDV-Öl: Welche unserer Öle enthalten CBDV?
Ein CBDV-Öl verkaufen wir nicht. Unsere Analysezertifikate enthalten aber eine CBDV-Messung, und die Zertifikate vom April 2026 (Bericht 260410_A01, analysiert am 8. April 2026) fanden es in zwei Vollspektrum-Ölen:
| Öl | CBDV | CBD |
|---|---|---|
| Zermatt Balance | 0,05 % | 15,83 % |
| St. Moritz Restore | 0,05 % | 25,13 % |
| Lucerne Calm | Nicht nachgewiesen | 20,50 % |
| Lugano Clarity | Nicht nachgewiesen | 10,47 % |
Auch in unseren Pet-Routine-Ölen für Hunde, Katzen und Pferde wurde kein CBDV nachgewiesen. Die Zertifikate finden Sie auf unserer Seite mit den Testergebnissen, alle unsere Öle in der Kollektion CBD-Öl. Warum ein Vollspektrum-Öl Neben-Cannabinoide wie CBDV enthält, erklärt Vollspektrum, Breitspektrum oder Isolat.
Aus unserer Produktion
Wir lassen jede Charge in der Schweiz testen, und seit 2013 ist kein einziger Test durchgefallen. Jedes Analysezertifikat unterschreibe ich selbst.
— Robin Roy Krigslund-Hansen, Mitgründer und CEO
Häufige Fragen
Was ist CBDV?
CBDV oder Cannabidivarin ist ein nicht berauschendes Cannabinoid aus Hanf und anderen Cannabispflanzen. Es ist genauso aufgebaut wie CBD, hat aber eine kürzere Seitenkette aus drei Kohlenstoffatomen.
Wie wirkt CBDV?
In Tierstudien verringerte es Krampfanfälle in mehreren Modellen, und kleine Studien am Menschen untersuchten Epilepsie beim Rett-Syndrom und die Gehirnchemie bei Autismus. Es waren frühe Studien, und keine zeigt, dass ein CBDV-Produkt eine Erkrankung behandelt.
Macht CBDV high?
Nein. CBDV bindet nur sehr schwach an den CB1-Rezeptor, über den THC den Rausch auslöst, und die klinischen Studien beschreiben es als nicht berauschend.
Was ist der Unterschied zwischen CBDV und THCV?
Beide haben eine Seitenkette aus drei Kohlenstoffatomen und dieselbe Summenformel, doch CBDV hat die offene Ringstruktur von CBD und THCV die geschlossene von THC. THCV kann in Labortests CB1 blockieren und CB2 aktivieren, während CBDV an beide Rezeptoren nur schwach bindet.
Ist CBDV in den Ölen von Formula Swiss enthalten?
Ja, in kleinen Mengen in zwei Ölen: Die Zertifikate vom April 2026 maßen 0,05 % CBDV in Zermatt Balance und St. Moritz Restore. In unseren anderen Ölen wurde es nicht nachgewiesen.
Welche Cannabissorten haben viel CBDV?
Höhere CBDV-Gehalte wurden vor allem bei Cannabis-Landsorten aus dem Indica-Genpool beschrieben, zu dem Drogen-Landsorten aus Südasien und Afrika gehören. Angaben zu einzelnen Sorten sind selten durch veröffentlichte Labordaten belegt, prüfen Sie daher das Analysezertifikat.
Verwandte Ratgeber
Dieser Artikel fasst veröffentlichte Forschung zusammen. Er ist keine medizinische Beratung. Die Öle von Formula Swiss sind Kosmetika zur Anwendung auf der Haut, unsere Öle für Haustiere sind zur äußerlichen Anwendung bestimmt. Lesen Sie unseren vollständigen Haftungsausschluss.
Zuletzt geprüft:
Quellen
- Vollner L, Bieniek D, Korte F. Haschisch XX: Cannabidivarin, ein neuer Haschisch-Inhaltsstoff. Tetrahedron Lett 1969;10(3):145–147. doi:10.1016/S0040-4039(01)87494-3
- Shoyama Y, Hirano H, Makino H et al. Cannabis. X. The isolation and structures of four new propyl cannabinoid acids … from Thai cannabis, 'Meao variant'. Chem Pharm Bull 1977;25(9):2306–2311. doi:10.1248/cpb.25.2306
- Shaw WM, Zhang Y, Lu X et al. Screening microbially produced Δ9-tetrahydrocannabinol using a yeast biosensor workflow. Nat Commun 2022;13:5509. doi:10.1038/s41467-022-33207-x
- Rosenthaler S, Pöhn B, Kolmanz C et al. Differences in receptor binding affinity of several phytocannabinoids do not explain their effects on neural cell cultures. Neurotoxicol Teratol 2014;46:49–56. doi:10.1016/j.ntt.2014.09.003
- Pertwee RG. The diverse CB1 and CB2 receptor pharmacology of three plant cannabinoids: Δ9-tetrahydrocannabinol, cannabidiol and Δ9-tetrahydrocannabivarin. Br J Pharmacol 2008;153(2):199–215. doi:10.1038/sj.bjp.0707442
- Hill AJ, Mercier MS, Hill TD et al. Cannabidivarin is anticonvulsant in mouse and rat. Br J Pharmacol 2012;167(8):1629–1642. doi:10.1111/j.1476-5381.2012.02207.x
- Hurley EN, Ellaway CJ, Johnson AM et al. Efficacy and safety of cannabidivarin treatment of epilepsy in girls with Rett syndrome: a phase 1 clinical trial. Epilepsia 2022;63(7):1736–1747. doi:10.1111/epi.17247
- Pretzsch CM, Voinescu B, Lythgoe D et al. Effects of cannabidivarin (CBDV) on brain excitation and inhibition systems in adults with and without autism spectrum disorder (ASD): a single dose trial during magnetic resonance spectroscopy. Transl Psychiatry 2019;9:313. doi:10.1038/s41398-019-0654-8
- Pretzsch CM, Floris DL, Voinescu B et al. Modulation of striatal functional connectivity differences in adults with and without autism spectrum disorder in a single-dose randomized trial of cannabidivarin. Mol Autism 2021;12:49. doi:10.1186/s13229-021-00454-6
- Oláh A, Markovics A, Szabó-Papp J et al. Differential effectiveness of selected non-psychotropic phytocannabinoids on human sebocyte functions. Exp Dermatol 2016;25(9):701–707. doi:10.1111/exd.13042
- Zamberletti E, Rubino T, Parolaro D. Therapeutic potential of cannabidivarin for epilepsy and autism spectrum disorder. Pharmacol Ther 2021;226:107878. doi:10.1016/j.pharmthera.2021.107878
- Hillig KW. Genetic evidence for speciation in Cannabis (Cannabaceae). Genet Resour Crop Evol 2005;52:161–180. doi:10.1007/s10722-003-4452-y
- Hillig KW, Mahlberg PG. A chemotaxonomic analysis of cannabinoid variation in Cannabis (Cannabaceae). Am J Bot 2004;91(6):966–975. doi:10.3732/ajb.91.6.966
- PubChem. Cannabidivarin (CID 11601669). National Library of Medicine.
- Formula Swiss. Analysezertifikate, Bericht 260410_A01 (analysiert am 8. April 2026).