Die Geschichte des Hanfs: von der Jungsteinzeit bis heute

08/07/2025
Die Geschichte des Hanfs

Hanf ist eine der ältesten Kulturpflanzen der Menschheit: Genetische Daten deuten darauf hin, dass Cannabis sativa vor rund 12.000 Jahren in Ostasien domestiziert wurde. Faserhanf verbreitete sich vor etwa 4.000 Jahren nach Westen in den Nahen Osten und nach Europa und wurde jahrhundertelang für Seile, Stoffe und Samen angebaut. Im 20. Jahrhundert drängten Drogengesetze den Hanf zurück. Heute wird er wieder angebaut und über seinen niedrigen THC-Gehalt definiert.

Das Wichtigste in Kürze

Domestizierung
Ostasien, frühe Jungsteinzeit, vor rund 12.000 Jahren (genomische Schätzung; 95-%-Bereich etwa 6.500–15.700 Jahre)
Älteste Hanffunde
Artefakte aus Hanf finden sich in China und Japan durchgehend ab etwa 7.500 Jahren vor heute
Ausbreitung nach Europa
Faserhanf verbreitete sich vor rund 4.000 Jahren (Bronzezeit) westwärts nach Europa und in den Nahen Osten
1961
Das Einheits-Übereinkommen der UN nimmt Hanf aus, der nur für Fasern und Samen angebaut wird
EU heute (Stand Oktober 2026)
Agrarförderung nur für Sorten mit höchstens 0,3 % THC; 33.020 ha Anbaufläche im Jahr 2022
Schweiz heute (Stand Oktober 2026)
Hanf unter 1 % THC fällt nicht unter das Betäubungsmittelgesetz

Woher stammt Hanf?

Lange galt Zentralasien als Ort, an dem Cannabis zuerst angebaut wurde. Eine Studie von 2021, die die Genome von 110 Cannabispflanzen aus aller Welt sequenzierte, weist dagegen nach Ostasien. Demnach stammen alle heutigen Hanf- und Drogensorten von einem ursprünglichen Genpool ab, der in verwilderten Pflanzen und alten Landsorten in China bis heute überlebt (Ren 2021). Die Forschenden datierten die Domestizierung auf etwa 12.000 Jahre vor heute, in die frühe Jungsteinzeit.

Die Wildpflanze ist viel älter. Fossiler Pollen deutet auf das nordöstliche Hochland von Tibet als Ursprungsgebiet der Gattung, und er zeigt, dass Cannabis Europa schon vor 1,8 bis 1,2 Millionen Jahren erreicht hatte, lange vor dem Ackerbau (McPartland 2018).

Seit wann nutzen Menschen Hanf als Faser?

Laut derselben Genomstudie war früher Cannabis eine Mehrzweckpflanze. Erst vor etwa 4.000 Jahren begannen Bauern, ihn gezielt in zwei Richtungen zu züchten: hoher, faserreicher Hanf und harzreiche Drogentypen. Die Studie fand außerdem, dass Hanftypen bei der Auslese auf Fasern Gene verloren, die an der Bildung der konkurrierenden Cannabinoide beteiligt sind (Ren 2021). Das passt dazu, dass heutiger Hanf hauptsächlich CBD und sehr wenig THC bildet. Unser Ratgeber Was ist Hanf? erklärt den Unterschied im Detail.

Hanf im Lauf der Geschichte: eine kurze Zeitleiste
Wann Was geschah
Vor etwa 12.000 Jahren Cannabis wird in Ostasien domestiziert (genomische Datierung)
Ab etwa 7.500 Jahren vor heute In China und Japan finden sich durchgehend Artefakte aus Hanf
Vor etwa 4.000 Jahren Faser- und Drogentypen trennen sich; Faserhanf verbreitet sich westwärts nach Europa und in den Nahen Osten
1937 Der US-amerikanische Marihuana Tax Act besteuert und registriert alle, die die Pflanze anbauen oder mit ihr handeln
1961 Das Einheits-Übereinkommen der UN stellt Cannabis unter Kontrolle, nimmt aber den Anbau ausschließlich für Fasern, Samen oder gärtnerische Zwecke aus
1970 Die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft schafft einen gemeinsamen Markt und eine Beihilfe je Hektar für Flachs und Hanf
2018 Das US-Bundesrecht definiert Hanf als Cannabis mit höchstens 0,3 % Delta-9-THC
2023 Die EU-Agrarpolitik 2023–2027 fördert Hanf weiterhin nur bei Sorten mit höchstens 0,3 % THC
12. November 2026 Die US-Definition von Hanf stellt auf Gesamt-THC einschließlich THCA um

Wofür wurde Hanf früher genutzt?

  • Fasern: Aus den langen Fasern im Stängel wurden Schnüre, Seile und Stoffe hergestellt. Faserartefakte werden in Ostasien ab etwa 4.000 Jahren vor heute häufig (Ren 2021).
  • Samen: Die Samen wurden gegessen und zu Öl gepresst. Selbst das US-Gesetz von 1937 nahm die reifen Stängel, die Fasern, das Samenöl und sterilisierte Samen von seiner Definition von Marihuana aus (50 Stat. 551).
  • Harz: Eigene Drogenpflanzen wurden in Ritualen und als Rauschmittel verwendet. Archäologische Belege dafür gibt es im Westen Chinas seit mindestens 2.500 Jahren (Ren 2021). Die Geschichte des THC selbst lesen Sie in Die Geschichte des THC.

Warum ging der Hanfanbau zurück?

Im 20. Jahrhundert trafen Gesetze, die auf Drogencannabis zielten, auch den Hanf. Der US-amerikanische Marihuana Tax Act von 1937 stufte alle, die die Pflanze anbauten oder kultivierten, als Produzenten ein, die sich registrieren und Steuern zahlen mussten, obwohl Fasern und Samenöl selbst ausgenommen waren (50 Stat. 551).

International stellte das Einheits-Übereinkommen über die Betäubungsmittel von 1961 Cannabis, Cannabisharz sowie Cannabisextrakte und -tinkturen unter Kontrolle. Es legt aber fest, dass es nicht für den Anbau der Cannabispflanze gilt, wenn dieser ausschließlich industriellen Zwecken (Fasern und Samen) oder gärtnerischen Zwecken dient (Einheits-Übereinkommen, Art. 28 Abs. 2). Erst diese Ausnahme machte das spätere Comeback des Hanfs möglich.

Die Verwirrung hält bis heute an. Robin Roy Krigslund-Hansen, Mitgründer und CEO von Formula Swiss, sagt, dass viele Kunden CBD- und Hanfprodukte noch immer für illegal halten und viele Journalisten den Unterschied zwischen Cannabis und Hanf nicht kennen; manche übersetzen Cannabisblüten sogar mit Haschisch, was Verbraucher in die Irre führt. Unser Ratgeber zu Cannabis, Marihuana und Hanf ordnet die Begriffe.

Wie kam der Hanf zurück?

In Europa verschwand Hanf nie ganz. 1970 schuf die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft eine gemeinsame Marktorganisation für Flachs und Hanf mit einer pauschalen Beihilfe je Hektar (Verordnung (EWG) Nr. 1308/70). Die heutigen Regeln knüpfen Hanf an seinen THC-Gehalt. Die EU-Agrarförderung gilt nur für Sorten mit höchstens 0,3 % THC aus zertifiziertem Saatgut (Verordnung (EU) 2021/2115). Die Hanffläche in der EU wuchs von 20.540 ha im Jahr 2015 auf 33.020 ha im Jahr 2022, und Frankreich baut mehr als 60 % davon an (Europäische Kommission).

In der Schweiz fällt Hanf mit weniger als 1 % THC nicht unter das Betäubungsmittelgesetz (BAG). In den USA definiert das Bundesrecht Hanf seit 2018 über einen Grenzwert von 0,3 % Delta-9-THC. Ab dem 12. November 2026 zählt dieser Grenzwert das Gesamt-THC einschließlich THCA (7 U.S.C. 1639o).

Wofür wird Hanf heute verwendet?

Die Europäische Kommission nennt Textilien, Lebens- und Futtermittel, Baustoffe wie Hanfkalk und Dämmstoffe, Papier sowie Kunststoffersatz in der Auto- und Luftfahrtindustrie. Kosmetik und CBD-Produkte sind neuere Verwendungen (Europäische Kommission). Für CBD sind die Blüten der wertvolle Teil. Lesen Sie dazu Wie wird Hanf angebaut? und Wie wird CBD aus Hanf gewonnen?

Aus unserer Produktion

Die lange Geschichte des Hanfs gehört für uns zum Alltag: Unser Hanf wird in der Zentralschweiz angebaut, wo das trockene Klima der Pflanze gut bekommt.

— Robin Roy Krigslund-Hansen, Mitgründer und CEO

Häufige Fragen

Woher kommt Hanf ursprünglich?

Fossiler Pollen deutet auf das nordöstliche Hochland von Tibet als Ursprung der Gattung Cannabis. Eine Genomstudie von 2021 ergab, dass die Kulturpflanze vor rund 12.000 Jahren in Ostasien domestiziert wurde.

Wie alt ist Hanf als Kulturpflanze?

Genomische Datierungen setzen die Domestizierung auf etwa 12.000 Jahre vor heute an. Artefakte aus Hanf finden sich in China und Japan durchgehend ab etwa 7.500 Jahren vor heute.

Wann kam Hanf nach Europa?

Wilder Cannabis erreichte Europa laut fossilem Pollen vor mehr als einer Million Jahren. Angebauter Faserhanf verbreitete sich vor rund 4.000 Jahren, in der Bronzezeit, westwärts nach Europa und in den Nahen Osten.

Warum wurde Hanf verboten?

Gesetze gegen Drogencannabis erfassten auch die Hanfpflanze. Der US-amerikanische Marihuana Tax Act von 1937 verpflichtete Anbauer, sich zu registrieren und Steuern zu zahlen. Das Einheits-Übereinkommen der UN von 1961 nimmt den Anbau ausschließlich für Fasern und Samen jedoch aus.

Ist der Anbau von Hanf heute legal?

In vielen Ländern ja, innerhalb der THC-Grenzwerte und Genehmigungsregeln. Stand Oktober 2026 fördert die EU Sorten mit höchstens 0,3 % THC aus zertifiziertem Saatgut, und in der Schweiz fällt Hanf unter 1 % THC nicht unter das Betäubungsmittelgesetz.

Dieser Artikel bietet allgemeine Informationen zur Geschichte des Hanfs und zur Rechtslage. Er ist keine Rechtsberatung; Gesetze ändern sich, prüfen Sie daher die Rechtslage in Ihrem Land. CBD-Öle von Formula Swiss sind Kosmetika zur Anwendung auf der Haut. Lesen Sie unseren vollständigen Haftungsausschluss.

Zuletzt geprüft:

Quellen

  1. Ren G et al. Large-scale whole-genome resequencing unravels the domestication history of Cannabis sativa. Sci Adv 2021;7(29):eabg2286. doi:10.1126/sciadv.abg2286
  2. McPartland JM. Cannabis systematics at the levels of family, genus, and species. Cannabis Cannabinoid Res 2018;3(1):203–212. doi:10.1089/can.2018.0039
  3. An Act to impose an occupational excise tax upon certain dealers in marihuana… (Marihuana Tax Act), 2 August 1937, 50 Stat. 551. govinfo.gov
  4. United Nations. Single Convention on Narcotic Drugs, 1961, as amended by the 1972 Protocol, Articles 1 and 28, Schedule I.
  5. Regulation (EEC) No 1308/70 of the Council of 29 June 1970 on the common organisation of the market in flax and hemp. OJ L 146, 4.7.1970.
  6. Regulation (EU) 2021/2115 of 2 December 2021 (CAP Strategic Plans), Article 4(4) and recital 18. OJ L 435, 6.12.2021.
  7. European Commission, Directorate-General for Agriculture. Hemp. agriculture.ec.europa.eu
  8. Federal Office of Public Health (FOPH/BAG). Geltende Rechtslage von Hanf- und Cannabisprodukten (current legal situation of hemp and cannabis products). bag.admin.ch
  9. 7 U.S. Code § 1639o, Definitions (hemp), as amended by Public Law 119-37 of 12 November 2025.
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Robin Roy Krigslund-Hansen

Robin Roy Krigslund-Hansen

Über den Autor

Robin Roy Krigslund-Hansen is the co-founder and CEO of Formula Swiss and is responsible for formulation. Since co-founding the company in 2013, he has written about hemp, CBD, and the cannabis industry. His perspective draws on building Formula Swiss, conversations with researchers, and supporting CBD research.

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